Für unsere eiligen Leser:innen: siehe das Management Summary ganz unten
Die Diskussion rund um das Home-Office und Remote Work wird oft - immer noch - sehr emotional geführt. „Die einen“ wünschen sich möglichst viel Flexibilität, „die anderen“ fordern die komplette Rückkehr ins Büro.
Dazwischen stehen Führungskräfte, die vor einer ganz anderen Herausforderung stehen: Wie gelingt Führung, wenn Menschen nicht mehr selbstverständlich am selben Ort arbeiten?
Dabei lohnt sich ein Blick auf die eigentliche Aufgabe von Führung.
Führung bedeutet heute weit mehr als Aufgaben zu verteilen, Entscheidungen zu treffen oder Ergebnisse einzufordern. Gute Führungskräfte geben Orientierung, schaffen Verbindung, fördern Zusammenarbeit und sorgen dafür, dass Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
Man könnte auch sagen: Moderne Führungskräfte sind nicht nur Manager:innen, sondern auch Leader – und manchmal ein Stück weit Animateure.
Das Wort „Animateur“ hat im Unternehmenskontext oft keinen guten Ruf. Dabei geht es nicht um Unterhaltung. In der Organisationsentwicklung wird hierfür häufig von einer aktivierenden Führung gesprochen. Gemeint ist die Fähigkeit, soziale Prozesse anzustoßen, Menschen miteinander zu vernetzen, Austausch zu fördern und gemeinsame Energie für Ziele und Veränderungen zu erzeugen.
Führungskräfte übernehmen dabei die Rolle von Aktivator:innen. Sie schaffen Räume für Kommunikation, Zusammenarbeit und Lernen. Sie sorgen dafür, dass Menschen nicht nur ihre Aufgaben erledigen, sondern sich als Teil eines Teams erleben.
In diesem Kontext wird die Frage nach Präsenz spannend.
Denn viele der informellen Momente, die Kultur, Vertrauen und Zugehörigkeit entstehen lassen, passieren nicht im Jour fixe und nicht im Reporting. Sie entstehen zwischen Tür und Angel, beim gemeinsamen Kaffee oder in spontanen Gesprächen.
Je mehr diese Begegnungen wegfallen, desto bewusster müssen Führungskräfte sie gestalten.
Remote Führung kann hervorragend funktionieren. Viele Teams beweisen das Tag für Tag. Allerdings benötigt sie andere Kompetenzen als klassische Präsenzführung. Führung auf Distanz verlangt mehr Klarheit in der Kommunikation, mehr Vertrauen, mehr Struktur und häufig auch mehr aktiver und qualitativ hochwertiger Kontaktpflege.
Dabei verschiebt sich die Rolle der Führungskraft: Weg von der Kontrolle, hin zur bewussten Gestaltung von Orientierung, Zugehörigkeit und Zusammenarbeit.
Die spannende Frage lautet deshalb nicht: „Wie viel Home-Office verträgt ein Team?“
Sondern:
- Wie viel Orientierung benötigt das Team?
- Wie selbstständig arbeiten die Mitarbeitenden?
- Wie stark ist das Wir-Gefühl ausgeprägt?
- Wie viel persönliche Verbindung braucht die Zusammenarbeit?
- Welche Führungsimpulse sind notwendig, damit Motivation und Leistung erhalten bleiben?
- Wie erfahren sind die Mitarbeitenden?
Die Antworten fallen von Team zu Team unterschiedlich aus.
Manche Teams funktionieren auch mit sehr wenig persönlicher Präsenz hervorragend. Andere benötigen regelmäßige Begegnungen, um Vertrauen, Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Deshalb gibt es aus unserer Sicht keine allgemeingültige Home-Office-Quote und keine perfekte Remote-Führungsformel.
Es gibt nur die Aufgabe von Führung, die Bedürfnisse eines Teams zu verstehen, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und den passenden Rahmen zu schaffen.
Vielleicht liegt die Zukunft erfolgreicher Führung genau darin: weniger Kontrolle, mehr Orientierung und bewusste Präsenz.
Denn am Ende erinnern sich Menschen selten daran, wie oft ihre Führungskraft im Büro war. Sie erinnern sich daran, ob sie spürbar, präsent und fair war.
Herzliche Grüße,
www.ontalents.com
office@ontalents.com
Management Summary:
Erfolgreiche Führung hängt nicht von der Anzahl der Bürotage ab, sondern von der Qualität der Führung. Moderne Führungskräfte sind Leader und Aktivator:innen: Sie schaffen Orientierung, fördern Zusammenarbeit und stärken den Teamzusammenhalt. Entscheidend ist nicht physische Anwesenheit, sondern bewusst gelebte Präsenz – vor Ort wie auch remote.